Verfasst von: hasepuppy | 19. Februar 2012

Mal was Grundsätzliches zur Griechenlandproblematik!

Wie meine Leser bereits gemerkt haben, habe ich micht seit letzter Zeit nicht mehr gemeldet. Das lag unter anderem auch daran, dass mir wegen der Krise und ihrer Beurteilung meinerseits echt die Worte fehlten, so haben sich die Ereignisse in meinen Augen überschlagen.

Ich will zunächst mal versuchen, mit einigen Fehleinschätzungen aus hauptsächlich deutscher Seite aufzuräumen:

1. Es wurde immer wieder behauptet, es handle sich um eine Staatsschuldenkrise!

Das ist falsch! Es ist nach wie vor eine Bankenkrise, weil es die Banken sind, die Griechenland und viele andere Länder zu total überhöhten Zinsen Geld geliehen haben und nun dieses Geld von den Steuerzahlern der reicheren Länder wie Deutschland erpressen, weil die armen Länder dieses nicht mehr zurückzahlen können. Desweiteren haben diese Banken auch noch Wetten auf die Zahlungsfähigkeit dieser Länder laufen, die im Fall eines Verlustes am Ende auch noch vom deutschen Steuerzahler beglichen werden müssen.

2. Es wurde immer wieder behauptet, wir Deutschen würden die Griechen retten müssen!

Das ist wieder falsch! Wir retten nicht die Griechen, sondern wieder einmal die Banken, die sich mit Staatsanleihen verzockt haben. Was die Griechen von der Troika aus IWF, EU-Kommission und EZB an Geldern bekommen, ist für sie nur ein Durchlaufposten. Das geht fast alles wieder an die Banken! Der einfache Grieche hat nichts davon!

3. Es wurde behauptet, die Griechen wären faul!

Das ist tinnef! Der durchschnittliche griechische Arbeitnehmer arbeitet länger und hat weniger Urlaub als der durchschnittliche Deutsche! Wenn  Politiker wie unsere Ex-IM Erika sich wie zu einer Einladung der CDU in Meschede hinstellen und etwas anderes behaupten, dann ist das reiner Populismus!

4. Es wurde behauptet, die griechischen Arbeitnehmer und Rentner würden zu viel Geld bekommen!

Dazu eine Frage: Wer hat denn unseren Export finanziert? Richtig! Unter anderem die Griechen! Dafür haben sie Kredite unter anderem bei unseren Banken aufgenommen. Aber das ist auch nur die eine Seite der Medaillie. Die andere ist, dass unsere Exportstärke auch auf unserem massiv ausgebauten Niedriglohnbereich baut.

5. Es wurde behauptet, dass Griechenland ein Schuldensünder ist und massiv sparen soll!

Dazu etwas Grundsätzliches: Die wirkliche Ursache der sogenannten „Eurokrise“ ist das wirtschafliche Ungleichgewicht zwischen Deutschland und den anderen Länder in der Eurozone. Das Problem ist dabei tatsächlich der Euro, der nicht innerhalb der EU auf- und abgewertet werden kann. Wenn nun ein Land wie Deutschland laufend Überschüsse produziert, muss sich jemand anderes in einer Währungsunion zwingend verschulden. In disem Fall ist das die südliche Peripherie in Europa. Vor dem Euro war das einfacher: Wenn ein Land Defizite machte, wurde die eigene Währung so lange abgewertet, bis wieder ein Gleichgewicht herrschte zwischen Import und Export. Seit der Einführung des Euro ist das natürlich nicht mehr möglich! Seitdem hat die deutsche Wirtschaft aufgedreht. Gerhard Schröder hat mit seinem Niedriglohnbereich dafür gesorgt, dass die hiesigen Arbeitskosten massiv sanken und somit hatten wir hier gegenüber dem EU-Ausland einen riesigen Wettbewerbsvorteil. Derzeit gehen etwa 60 % aller Exporte dort hin. Da aber die südlichen Länder nicht soviel zu uns exportieren konnten, was unter anderem auch an unseren niedrigen Löhnen lag, mussten sie sich bei uns verschulden, um unsere Produkte auch kaufen zu können. Nur igendwann ist einmal das Ende der Fahnenstange erreicht und die Kredite müssen wieder zurück gezahlt werden und das ist jetzt auch unser Problem!

Zur Verdeutlichung: Ich glaube, dass viele Leute immer noch nicht den Sinn des Geldes verstanden haben! Sie glauben das Schulden schlecht und Gewinne gut sind und man müsse Schulden um jeden Preis verhindern. Das ist aber ein Irrglaube, denn dann gäbe es auch kein Geld mehr. Jeder Geldschein, den wir in der Hand halten, ist zugleich auch ein Schuldschein. Verstanden? Nein?

Na gut! Dann versuche ich es anders zu erklären: Wenn ich, sagen wir mal, 100 Euro sparen will, erwarte ich ja auch Zinsen dafür. Das geht aber nur, wenn jemand anderes sich dafür bei mir Verschulden will. Dafür zahlt er dann an mich Zinsen, sozusagen als Lohn dafür, dass ich ihm 100 Euro geliehen habe. So funktioniert das schon seit Jahrhunderten. Dabei ist die Summe des Guthabens und der Schulden immer gleich. Die Summe der Schulden können nie niedriger sein, weil das einer Geldentwertung gleich käme. In einer Bilanz müssen Aktiva und Passiva auch immer gleich hoch sein, ansonsten hat man falsch gerechnet.

Das Gleiche gilt auch für Staaten: Die Höhe der Staatsschulden sind im Idealfalle immer genauso hoch wie die Guthaben seiner Bürger. Sind sie niedriger, sucht sich das Geld der Bürger andere und auch oft illegale Wege, um an Zinsen zu kommen. Das ist auch der Grund, warum in Griechenland viele reiche Leute ihr Geld lieber im Ausland anlegen, anstatt zuhause Steuern zu zahlen – wer investiert schon gerne in rauchende Ruinen. Aber hier in Deutschland ist es auch nicht viel besser. Deswegen hat hier die Finanzlobby auch soviel Einfluss.

6. Es wurde behauptet, dass wenn die EZB Geld druckt und es den Staaten zinsgünstig verleiht, dann die Inflation steigt!

Das ist Quatsch! Die EZB ist in Europa die einzige Institution, die Geld drucken und sogar an sich selbst verleihen kann, um intern Löcher zu stopfen. Das ist ein gesonderter Kreislauf und hat mit dem Geld, welches wir tagtäglich in der Hand haben, nicht viel gemein. Deshalb wird es in in solchen Fällen keine Inflation geben! Wir werden als Steuerzahler auch niemals für Verluste der EZB haftbar gemacht! Sie könnte also ungeniert an die Staaten Kredite zu günstigen Zinsen vergeben, ohne dass sich das für uns negativ bemerkbar machen würde! Warum es in der Praxis so abläuft, dass die EZB erst an die Banken zinsgünstig Geld verleiht, auf dass diese dieses dann zu einem höheren Zinssatz an die Staaten weitergibt, liegt einfach daran, dass es politisch so gewollt ist: Die Banken sollen daran mitverdienen! Dass das aber Gift für wirtschaftlich schwache Staaten in einer Rezession ist, lässt die Verantwortlichen der Troika eher kalt. Die wollen Griechenland gar nicht retten, sondern wieder einmal die Banken! Dafür wird durch ein Austeritätsprogramm massenhaftes Elend in Kauf genommen! Das Spielchen wird so lange fortgesetzt, bis die Banken ihre Verluste wieder drin haben. Da Banken ja von Natur aus den Hals nicht voll bekommen, wird sich das in den anderen europäischen Südländern wiederholen. Wenn dann überall in Europa die Löhne auf ein absolutes Minimum gesenkt worden sind, dann kommen wir dran und das wird bestimmt nicht lustig für uns!

Was mir an dieser Tragödie besonders sauer aufstösst, ist die Grosskotzigkeit etlicher deutscher Politiker, wie dem ferngesteuerten Hosenanzug (Marktkonforme Demokratie), dem Herrn Kauderwelsch („Jetzt wird in Europa Deutsch gesprochen!“) und auch dem Irren im Rollstuhl mit seiner posttraumatischen Belastungsstörung („Zur Hilfe gehört immer jemand, der sich helfen lasen will!“), die mich eher an das Gebahren aus dem ehemaligen Hitler-Deutschland erinnert, was ich zu Recht ablehne. Verständlich, dass sich die Griechen darüber aufregen. Ich finde, diese Protagonisten sollten ob unserer Vergangenheit einfach mal die Klappe halten, bevor noch mehr wertvolles Porzellan zerschlagen wird. Schliesslich wurde die EU gegründet, damit so etwas nie wieder vorkommt. Solche Spinner sorgen dafür, dass wir im europäischen Ausland gehasst werden.

In diesem Sinne schäme ich mich dafür, ein Deutscher zu sein!

Carpe Diem!

Hasepuppy
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Dieses Werk bzw. Inhalt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz.

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Responses

  1. Hallo Ecki,
    super Zusammenfassung. Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Ausarbeitung, die ich zu 98% teile. Allerdings schäme ich mich nicht ein Deutscher zu sein, denn dann wäre ich ja festgelegt. Jeden Tag versuche ich durch mein Handeln, die Welt ein wenig besser zu machen.
    Liebe Grüße
    vhh


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